Menschen protestieren gegen neue B 96 (10.11.2010 09:38 von RIO96 )

Ostseezeitung | Lokal-Rügen | vom 10.11.2010 00:0140 | A. LOEW

Bergen (OZ) - Es ist duster, es regnet, der Bergener Marktplatz wirkt zunächst wie tot am vergangenen Montagabend. Doch dann Punkt 19 Uhr ertönt ordentlich Lärm von Tröten, Trommeln und Rasseln rund um den Marktbrunnen. Etwa 40 Menschen, vornehmlich aus dem Insel-Westen — darunter etliche Schüler — haben sich versammelt. Sie alle sehen sich als Mitglieder des neuen Bündnisses „Rügener Initiative Ohne B 96 (RIO 96)“, das mit Beginn der Woche offiziell seine Aktivitäten gestartet hat.Sprecherin Elke Neugebauer: „Wir unterstützen die Klage von BUND und Nabu gegen den Neubau der Bundestraße 96 und wollen den Menschen klarmachen, dass es Alternativen zu dem Wahnsinnsprojekt gibt.“ RIO 96 stehe für einen sinnvollen Ausbau der jetzigen Hauptader auf der Insel, sei aber gegen eine neue „dreispurige Schnellstraße“ auf Rügen mit einer Monsterkreuzung in Kubbelkow und die Fällung von vielen Alleebäumen, die mit der neuen Straße einhergingen. „Das Ganze ist noch zu stoppen und es gibt Alternativen“, sagte Neugebauer. Ihr Mitstreiter Georg Jeske hofft mit „RIO 96“ eine Protestwelle nach dem Vorbild von „Stuttgart 21“ auszulösen. Auch das geplante und dann aufgegebene Projekt Kohlekraftwerk Lubmin des Konzerns Dong habe gezeigt, dass Widerstand lohnt.

Der prominente Putbusser Künstler Walter G. Goes zählt zu den Demonstranten am Brunnen. Er begrüßt, dass sich — auch mit Mitgliedern aus der damaligen, eingeschlafenen Initiative gegen die B 96n — nun wieder ein Aktionsbündnis gründet: „Die Künstler auf Rügen sehen die Dimension des Neubaus äußerst kritisch“, sagt er.

RIO 96 will nun jeden Montag um 19 Uhr am Bergener Markt demonstrieren. Georg Jeske ist sicher, dass „wir schnell wachsen“. Dazu beitragen soll auch eine Bürgerversammlung morgen um 20 Uhr im Gutshaus Götemitz.

Die Frage ist, ob die Proteste gegen den Bau der B96n zu spät kommen. Das Projekt ist bereits „planfestgestellt“, es besteht grundsätzlich Baurecht. Die Naturschutzverbände haben aber Klage auf Neuplanung wegen Eingriffs in Schutzgebiete eingereicht — jedoch ohne aufschiebende Wirkung. Bis 17. November müssen BUND und Nabu ihre konkreten Begründungen bei Gericht abgeben. 

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